LOTTA #47

LOTTA #47
64 DIN A 4 Seiten; €3.-
Lotta, Am Förderturm 27, 46049 Oberhausen
http://projekte.free.de/lotta
LOTTA knüpft mit dem Schwerpunkt “Grauzone” an das “Schwesterzeitung” AIB an, die sich im Sommer 2011 mit der Schnittstelle zu extrem rechten Lebenswelten beschäftigt hat. LOTTA ergänzt diesen wichtigen Schwerpunkt mit (Fall-)Beispielen aus dem “Lotta-Land” (NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz). Die “unpolitische” Haltung bescheinigt Bands, Labels, Vertriebe eine Immunisierung gegenüber Kritik von Außen. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit, extrem rechte Strukturen aufzubauen und im subkulturellen Bereich zu etablieren. Krawallbrüder, Bakers Dozen, Frei.Wild, Stomper 98 pflegen ein unpolitisches Image, reduzieren den politischen Anspruch auf einen identitätsstiftenden Effekt mit einem kollektiv propagiertes Miteinander auf “menschlicher” Ebene als Möglichkeit, “konservative bis reaktionäre Wertewelten mit einem Rebellenetikett” zu vermitteln.
Die Grauzone ist eine lukrative Marktnische, Festivals wie PUNK&DISORDERLY, Back in the streets, G.O.N.D., Viva Los Tioz haben großen Zulauf und hat einen großen Marktwert. Autor Michael Weiss verdeutlicht das “Subkultur-Business” und den Verlockungen der Veranstalter und Booker, unpolitische OI und Deutschrock-Bands nicht widerstehen zu können und ihnen eine Plattform zu geben. Die Faszination an der Band BÖHSE ONKELZ scheint ob der vielen veranstalteten großen wie kleinen Parties und Festivals ungebrochen. Es gibt dutzende Onkelz-Coverbands und Onkelz-Parties wie in Gießen “waren ein Musterbeispiel dafür, wie Neonazis, Punx und Normalos zusammen feiern. Die Schwierigkeit, antifaschistisch zu intervenieren liegt laut Autor Andreas Fichte an dem medialen Umgang mit der Extremen Rechte, die geldorientierten Veranstalter und den Bands selbst, die Fakten verdrehen, leugnen und versuchen, die antifaschistische Linke zu diskreditieren.
Neben dem Schwerpunkt folgen wieder regionale, internationale Kurzberichte und ein Update zum NSU-Unterstützungswerk.
Gesamteindruck: Die Grauzone ist ein idealer Nährboden für die extreme Rechte. Wo früher extrem rechte Inhalte und Ideologien propagiert wurden, gibt man sich heute unpolitisch und sucht Bezugspunkte und Vermengungen in der Subkultur, vollziehen ein Imagewechsel, argumentieren und agieren heute im Argumentationsfeld neuer Öffentlichkeit, die Widersprüche zulässt aber zur Verbreitung extrem rechter Inhalte führt. Widersprüchlich erscheint, dass der rechte Musikmarkt heute international ist, sich in diesem aber antiglobalistisch positioniert wird. Antifaschistische Aufklärung ist und bleibt vor dem Hintergrund notwendig, da extrem rechte Anpassungsleistungen in dem subkulturellen Bereich zunehmend von Erfolg gekrönt wird und sich beim Klientel eine Akzeptanz einstellt, die eine Offenheit für Kritik erschwert.