TRUST #153

TRUST #153
68 DIN A 4 Seiten; €2,50.-
Trust Verlag, Dolf Hermannstädter, Postfach 110762, 28087 Bremen
www.trust-zine.de
Dolf lässt verlauten, dass es nicht nur um “dies” oder “das” geht, sondern um ALLES. Alles oder nichts denkt er sicherlich auch dann, wenn er sich waghalsig auf das Snakeboard stellt und möchte seine Socken gestopft bekommen. Jan indes widmet sich seiner Bildung und stopft Bildungslücken. Er liest Bücher, Zeitungen, resümiert wie geil die EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN doch waren und rezitiert Bandtexte und erklärt was Hardcore seiner Meinung nach ist und sein sollte. Kollege Jan Tölva investiert viel Aufmerksamkeit auf Bobachtungen zum Tanzverhalten im Punk/HC-Bereich gegenüber das der Suff- und Studentenpunks, bei denen es mehr “drunter und drüber geht”, kritisiert die Distanzierung zu Körperlichkeiten und dem Tabu über Sex zu reden. Plaudertasche Jan Röhlk kann es nicht lassen und nervt CIVIL VICTIM mit einer Fragestellung wie beim Billigtanken. Ehrlich, ich kann es nicht mehr lesen, ob die Band nun AC/DC oder Motörhead, Wickie oder Biene Maja besser findet. Jan reizt hier jede Möglichkeit aus, den Platz mit sinnlosen Fragen auszufüllen wie den letzten Tropfen Wein aus der Flasche oder Zahncreme aus der Tube zu drücken. Aber Tim und Stefan lassen sich offenbar gerne auf dieses Spiel ein. Stone porträtiert das Label “Denovali Records”, Jan kümmert sich um DECENDENTS und ist mit seinen Fragen gut vorbereitet, es gibt sehr viele persönliche und aussagekräftige Informationen, wobei ich auch Karl’s Bedauern zur Textzeile “You fucking Homo” (vom Song “I’m not a looser”) zur Kenntnis nehme. Eine späte Entschuldigung ist immer noch besser als eine Ausrede zu (er)finden. THE FORGETTERS sind auch schnell erwachsen geworden und finden, man sollte erst an Autorität gewinnen, bevor man was veröffentlicht. Ins Eingemachte geht es im Interview mit Hazelwood Vinyl Plastics, das ist mir zu nerdmäßig aufgezogen. Keith Moris von OFF! ist in Streitlaune, würde Waffen bauen, wenn er sie nicht kaufen könnte und ist in einer Band, weil er sonst nicht wüsste, was er arbeiten würde. Benjamin und Jan Tölva können es aber nicht lassen und nerven Keith immer wieder mit einer Definition zu Punk und HC, wollen ihn unbedingt in eine Schublade stecken.  Auch das TRUST liefert eine All-Time-Fave-Platten-Präsentation, die mit persönlichen Bemerkungen das Für und Wider von Abkulten einer Band aufwirft.
Gesamteindruck: Staubtrocken und mit dem mausgrauen Charme eines antiquierten Populärwissenschaftler fachsimpelt die TRUST Crew über Begrifflichkeiten von und um HC, legt den Schwerpunkt auf relativ unbekannte DIY-Projekte und vermeidet es, zu polarisieren, konzentriert sich eher auf solide Berichterstattung und DeutschPunk-Verweigerung und verfolgt die Devise: “Nichts wichtiger ist wichtiger, als in Bewegung zu bleiben”. Immer skeptisch und kritisch, anzweifelnd und manchmal auch klugscheißernd. TRUST belegt aber auch die Vielseitigkeit im HC-Bereich, in dem es immer noch viel Neues zu entdecken gibt und somit auch innovativ ist.