CAESIUM 137 #2

CAESIUM 137 #2
16 DIN A 5 Seiten; DM 1.- (€2.-)
c/o Anti Everything, Postfach 360106, 10971 Berlin
www.antieverything.de
Größere Mengen des Isotops 137Cs gelangten durch oberirdische Kernwaffenversuche und durch die Reaktorunglücke von Tschernobyl in die Umwelt. Über dunkle Kanäle und dubiose Vermittler gelangt das CAESIUM 137 Fanzine in die vergiftete Umwelt und in die Hände von Krzysztof Wrath, der “nicht ohne Stolz” die wiederveröffentlichte 2. Ausgabe aus dem Jahr 1986 präsentiert. Ein Egozine, in dem Wrath respektive Klinge seine Gedanken und Gefühle freien Lauf lässt. Ein “Kampf um persönliche Freiheit und Integrität, zerrissen zwischen Liebe und Gewalt”. Das Jahr 1986 erlebt “Klinge” in der Frontstadt, einem Dreckloch und ist voller Wut und Nihilismus, dass förmlich Blut, Gift und Galle zwischen den Zeilen zu reichen ist. 1986, das Jahr in dem der Reaktor in Tschernobyl und die Challenger explodiert sind und sich EUROPE mit “The final Countdown” auf Platz 1 der Charts einzecken. Klinge explodiert förmlich beim Schreiben und ist bemüht, alle Klischees zu bemühen, die den “echten” Punk ausmacht. Motzen gegen Trends, ModePunx und Faschos, Saufen und Mucke hören, Pattex schnüffeln und Feindbilder (Turnschuhträger, Studenten mit Kassengestell) anwichsen. nachdem Klinge kurzzeitig das Gedächtnis verliert, wettert er gegen Hippies und Weltverbesserer, gegen Prominenz und Rockstargehabe in der Szene. “You are not a Punk” haben die SPERMBIRDS aus Kaiserslautern wohl Klinge gewidmet. Aber mit Selbstkritik und -reflexion ist da so eine Sache als echter Punk, der kein Pseudo sein will, es ernst meint und seinen täglichen Hass versprüht wie Gift aus der Dose. Das scheint auch Klinge einzuatmen, denn er erkennt, dass jeder am Rad dreht, durchdreht und “hinweggespült wird von der alles vernichtenden Welle entgrenzten Terrors”.
Gesamteindruck: Sex&Violence. Der kurzweilige, unterhaltsame Schreibstil ist kalkuliert künstlich übertrieben und der Inhalt ist klischeeüberladen und enthält Eckdaten aus einer Epoche, als Punk destruktiv und auf dem absteigenden Ast und einer der Gründe war, warum sich viele vom “Saufen, Kiffen, Randale machen” abwandten und Jesus Freak, OI-Skin oder HC-Jünger wurden. Klinge, respektive K. Wrath, bleibt sich treu und provoziert mit frechen Stories und Inhalten, die in Zeiten der Orientierungslosigkeit das Relikt Punk den Boden unter den Füßen reißt und sich in Chaos, Panik und (Selbst)Zerstörung suhlt, ganz im Sinne der Zielvorgabe: Ohne Ahnung und Vorbilder, ein Soundtrack zum Untergang.